Zeichnung aus dem "Haarmann-Zyklus"
Objektbeschreibung
1964 stieß Hrdlicka auf prominente Kriminalfälle des 20. Jahrhunderts. In einem der spektakulärsten ging es um den Massenmörder Fritz Haarmann (1879–1925), der mindestens 24 Jungen und Männer grausam getötet hatte. Sein Fall inspirierte Hrdlicka zu dem gleichnamigen Zyklus, der neben der vorliegenden weitere Zeichnungen sowie 28 Radierungen, eine Heliogravur und zwölf Skulpturen umfasst.
Das Blatt zeigt skizzenhaft drei Menschen in verschiedenen Körperhaltungen. Oben kauert eine Figur auf den Knien und Unterarmen am Boden. Sie ist nur mit wenigen Konturlinien angedeutet, die Arme sind teilweise durch starke schwarze Linien schraffiert. In der unteren Hälfte lagert eine Figur in einer ähnlichen Pose, geformt durch schwarze Linien, die im gleichen Duktus einen Raum um sie bilden. Im Unterschied zur ersten Figur ist diese auf die Ellbogen gestützt und hält mit beiden Händen ihren Kopf. Schließlich ist in der rechten unteren Ecke eine nackte Frau dargestellt, deren Oberkörper deutlich erkennbar ist, während die Beine nur in wenigen Strichen angedeutet sind. Die gezeigten Menschen erwecken einen verkrampften und verängstigten Eindruck. Hrdlicka setzte sich in seinem Zyklus zu Haarmann mit der Gewalt auseinander, die von diesem Mann ausging. | Stefanie Meisgeier