Kopf eines sterbenden Soldaten (Selbstbildnis)
Objektbeschreibung
Zu den fünf skulpturalen Werken, die Cremer für den Großen Staatspreis von 1936 einreichte (vgl. „Trauernde Frauen [Gestapo]“, B III 32), gehörte die Figur eines stürzenden, sterbenden Kriegers. Für die Wiedergabe von Kopf und Körper war der Künstler sein eigenes Modell gewesen. Den „Kopf eines sterbenden Soldaten“ hat Cremer auch für diese größere Arbeit genutzt und zudem als eigenständiges Werk überarbeitet. Die Neigung nach vorn nimmt die stürzende Bewegung des Körpers auf, das unbewegliche, ernste Gesicht spiegelt jedoch nicht die Dramatik des Moments. Im Gegenteil: Es wirkt nicht zuletzt durch die geschlossenen Augen in sich gekehrt. Der detailgenau und realistisch ausgearbeitete Kopf weist eine starke Ähnlichkeit mit dem Künstler auf. Die Bronze gehört, neben den trauernden Frauen (vgl. das bereits oben genannte Relief und „Arbeitermutter II“, B I 653), der zweiten bedeutenden Werkgruppe der Zeit vor 1945 an: Soldaten- oder Kriegerdarstellungen. Ebenso wie die Trauernden lassen sich die Kriegerbildnisse unterschiedlich deuten: als Ehrenmal für die Gefallenen oder als Warnung vor oder Protest gegen die militaristische Politik des nationalsozialistischen Regimes. Der sterbende Soldat ist dabei persönlicher bezogen als die trauernde Frau: Das Schicksal, das Cremer hier wiedergegeben hat, hätte noch sein eigenes werden können. Er war zur Zeit der Entstehung der Büste 30 Jahre alt und potenziell selbst ein zukünftiger Soldat. Mit diesen Arbeiten hatte Cremer wenig kommerziellen Erfolg. Trotz der Verleihung des Großen Staatspreises an ihn Anfang 1937 litt er bis in die Kriegsjahre hinein unter Geldnot. | Emily Joyce Evans