Stillleben mit Tisch und Stuhl
Objektbeschreibung
Mit einem Stipendium der Stadt Leipzig, seinem Geburtsort, hatte Lingner 1908 sein Studium an der Dresdner Kunstakademie bei Carl Bantzer aufgenommen, im März 1914 beendete er es erfolgreich. Für sein Gemälde „Abendlied/Singende Mädchen“ (heute im Museum Weißenfels) war ihm bereits 1912 der Sächsische Staatspreis verliehen worden. Doch statt der erhofften Künstlerkarriere folgte im September 1914 die Einberufung zum Kriegsdienst. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ließ sich Lingner zusammen mit seiner damaligen Frau Lisa zunächst auf dem Darß an der Ostsee nieder, bevor sie nach Weißenfels, den Heimartort seiner Frau, zogen, wo Lingner zwischen 1922 und 1927 mit mäßigem Erfolg als Maler und Grafiker arbeitete. Das Gemälde „Stillleben mit Tisch und Stuhl“ entstand in dieser Zeit. Es knüpft in seiner weitgehend traditionellen Malweise an die Kunst eines Carl Schuch oder Wilhelm Trübner an. Die Möbel des Arrangements, die auf vielen Stillleben Lingners aus jener Periode auftauchen, stammten von dem befreundeten Eisengießerei-Besitzer Fritz Röthe, der dem Künstler auch ein Atelier in Weißenfels eingerichtet hatte. Lingner erhielt über die Familie seiner Frau Kontakte zu Fabrikanten und städtischen Honoratioren. Sie beauftragten ihn mit verschiedenen Arbeiten, etwa Porträts, Genrebildern und auch dem „Stillleben mit Tisch und Stuhl“. | Maike Steinkamp