Wilhelm Pieck
Objektbeschreibung
Friedrich Wilhelm Reinhold Pieck (1876–1960) war seit 1895 Mitglied der SPD. 1919 gehörte er zu den Gründern der KPD und 1943 zum Nationalkomitee Freies Deutschland, einem Bündnis zur Bekämpfung des Nationalsozialismus (vgl. Werner Tübke, „Nationalkomitee Freies Deutschland“, 1970, A IV 247). Pieck war von 1946 bis 1954 gemeinsam mit Otto Grotewohl Vorsitzender der SED und von 1949 bis 1960 Präsident der DDR. In diesem posthumen Porträt steht er im Anzug mit einem Blatt Papier in der Hand vor der Kulisse des zerstörten Berlin. Zusammen mit dem Demonstrationszug unten links verweist die Darstellung auf Piecks Rolle bei der Vereinigung von SPD und KPD gegen den Willen vieler Sozialdemokraten 1946. Das Porträt war von großer politischer Bedeutung, weswegen die Erwerbung für die Nationalgalerie über das Ministerium für Kultur lief. Fünf Jahre lang hing es als Dauerleihgabe der Nationalgalerie (Ost) in der Wilhelm-Pieck-Gedenkstätte in Guben an der Neiße, der Geburtsstadt des Künstlers. Als im Jahr 1990, noch vor der deutschen Wiedervereinigung, die Nationalgalerie (Ost) alle Dauerleihgaben zurückforderte, schrieb der Leiter der Gedenkstätte: „Auf Grund der eingetretenen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in unserem Land kann auch unsere Einrichtung ihre bisherige Orientierung nicht länger behalten. Im Klartext bedeutet das, daß wir ab August 1990 als Wilhelm-Pieck-Gedenkstätte aufhören zu existieren.“ (Michael Kucher an Christine Hoffmeister, 16.7.1990, SMB-ZA, II A/NG 0399) Aus der Gedenkstätte sollte ein Kulturzentrum werden. Das Gemälde kam zurück in die Nationalgalerie. | Emily Joyce Evans