Spätsommergarten
Objektbeschreibung
Von 1920 bis zu seinem Tod wohnte der Maler Wilhelm auf dem Grundstück Gradsteg 46 in Dresden-Radebeul. Hier zeigt er einen Blick durch seinen Garten auf das Haus. Den Vordergrund bestimmt der über Jahrzehnte immer neu gezüchtete Rittersporn in verschiedenen Farben, im Hintergrund sieht man das Wohnhaus mit Veranda, das kapellenartige Waschhaus, davor den Hühnerstall und rechts die abschirmende Backsteinmauer. 1940, während des Krieges, hatte Wilhelm seine Frau im Schutz dieser Mauer zwischen den mannshohen Stauden dargestellt („Marion in Weiß mit Rittersporn“, A IV 264), nun ist das Blickfeld weiter, aber der Eindruck eines geschlossenen, geschützten Raumes bleibt. Ludwig Justi, der 1956 mit Fritz Cremer und dann Paul Wilhelm seine Reihe von Personalausstellungen in der Nationalgalerie (Ost) begann, zeigte beide Werke. Die Eröffnungsrede im Museum hielt der junge Kunsthistoriker Werner Schmidt: Er lobte die gleichbleibend hohe Malkultur des unterdessen 70-Jährigen und den spezifisch eigenen Ausdruck: „Eine große Sehnsucht zieht sich als Leitlinie durch das Schaffen Paul Wilhelms. Er sucht Schönheit, und er findet sie bei Blumen und Bäumen, Bergen und Wolken, Häusern und Menschen. Er weiß, wie vieles auf der Welt fragwürdig bleibt. […] Erst der leise Hauch von Wehmut, der bald mehr, bald weniger über die wundersamen Dinge und Farben gebreitet ist, läßt uns das Schöne glauben.“ (gedruckte Einlage in: Paul Wilhelm. Gemälde, Aquarelle, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Berlin [Ost], 1957) Im Anschluss an die Ausstellung erwarb Justi mit Mitteln des Kulturfonds das Bild vom Künstler. Eine ähnliche Darstellung von 1953 befindet sich in der Galerie Neue Meister, Dresden. | Angelika Wesenberg