Liebe und Tod
Objektbeschreibung
„Liebe und Tod“ gehört zur frühen expressionistischen Phase Völkers. Wie der heilige Georg sitzt ein blonder Reiter, mit roter Fahne bewehrt, auf einem nur schattenhaft ausgeführten schwarzen Ross; die Jungfrau steht, lichtblau-weiß gewandet, am linken Bildrand. Fast wie das Blatt einer Kreissäge senkt sich der zu abstrakten Pinselzügen vereinfachte, gewaltsam bewegte Wirbel des Reiters in das grüne Gras und scheint blitzend gelbe Funken nach rechts zu schlagen. Auf der Bildrückseite ist vermerkt: „Nach einem Gedicht von [schwer leserlich: Arndt]“. Gemeint ist wohl das 1820 entstandene Gedicht „Zorn und Liebe“ von Ernst Moritz Arndt, in dessen letzter Strophe es heißt: „So blühe, Rose, blühe! / Blüh’, Liebe, scharf im Dorn! / Komm du, mein Blitz, und sprühe! / Sprüh’, sprühe, edler Zorn! / Komm, Stolz, und nimm die Waffen / Der Arbeit und der Not! / Was frommte dir der Schlaffen / Lebendig toter Tod?“ Arndt hatte sich als frei geborener Sohn eines ehemaligen leibeigenen Schäfers nicht nur für ein von napoleonischer Fremdherrschaft unabhängiges Deutschland, sondern auch vehement für die Bauernbefreiung eingesetzt. Die heroische Auffassung von „Arbeit und Not“ als „Waffen“ gegen Unrecht und Unfreiheit traf auch die Stimmung des wirtschaftlich und politisch am Boden liegenden und revolutionär bewegten Landes nach dem Ersten Weltkrieg. In diesem Kontext erscheint die rote Farbkonfiguration vor dem Pferd als Rose und mithin als Symbol für die opferbereite Liebe zu einem Leben in Freiheit. | Kyllikki Zacharias