Unreifes Korn
Objektbeschreibung
Im Frühjahr 1915 war Lohse zum Militär eingezogen und im August 1919 aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden. Über eine ehemalige Mitschülerin kam der Kontakt zu dem in Bischofswerda ansässigen Armaturenfabrikanten Karl Hebenstreit zustande, der Lohse einlud, für einige Zeit Gast seiner Familie zu sein. So arbeitete der Maler ab Oktober 1919 im Atelier von Hebenstreits Schwägerin, der Malerin Rose Scheumann. Dort entstanden seine stark farbigen und eruptiv wirkenden expressiven Gemälde. In „Unreifes Korn“ verwendete Lohse einen hoch liegenden Horizont, ähnlich wie Vincent van Gogh bei seiner Darstellung südfranzösischer Weizenfelder 1889/1890. Lohse lenkt den Blick auf sanft ansteigende Felder, deren blaue Kornblumen und roter Mohn zu dichten Farbströmen werden, die unter einem essigroten Himmel wie Lava dahinzufließen scheinen. Die expressive Wirkung wird durch den gespachtelten Farbauftrag noch verstärkt. Als das Gemälde im April 1921 in Lohses erster Einzelausstellung bei Emil Richter in Dresden gezeigt wurde, schwärmte ein Rezensent, Lohses Landschaftsbilder seien „geradezu von Beethovenscher Größe und Schönheit. […] laßt Euch berauschen von dieser farbigen Musik dieses herrlichen Symphonikers“ (Willibald Piltz, Sonderausstellung Carl Lohse, Hamburg, in: Elbtal-Abendpost, 22.4.1921, zit. nach Carl Lohse. Kraftfelder. Die Bilder 1919/21, Ausst.-Kat., Hamburg/Dresden, 2017, S. 128). | Dieter Scholz