Schwarz-Weiß (Weißer Punkt)
Objektbeschreibung
In den 1950er-Jahren gehörte Winter neben Willi Baumeister und Ernst Wilhelm Nay zu den zentralen Vertretern der westdeutschen Nachkriegsmalerei. Bereits 1950 hatte er an der Biennale in Venedig teilgenommen. 1955 folgte ein bemerkenswerter Beitrag zu der von Werner Haftmann organisierten ersten „documenta“ in Kassel. Kurz zuvor hatte Winter dort an der Werkakademie, der heutigen Kunsthochschule, die für ihn eingerichtete Professur für Malerei angenommen, die er bis 1970 innehatte. 1950 war Winter nach Paris gereist, wo er die Maler Hans Hartung und Pierre Soulages besuchte und das französische Informel kennenlernte. Seine Bilder aus diesen Jahren sind bestimmt von der Auseinandersetzung mit Linie, Farbe und Form als Ausdruck seiner Gedanken und Visionen. Dabei entstanden seine Gemälde nicht wie in der informellen Malerei oder dem Tachismus aus einem spontanen Malprozess heraus, sie basierten vielmehr auf einer kontrolliert gestaltenden Eroberung der Leinwand, indem er kontrastierende Formelemente unter dem Gesichtspunkt der Harmonie und Ordnung zu einer geschlossenen Bildeinheit zusammenfügte. Oftmals bestimmen dabei weiterhin, wie in dem vorliegenden Bild, schwere, teils dunkle Einzelformen die Komposition, die durch transparente Farbflächen ins Gleichgewicht gebracht werden. | Maike Steinkamp