Ikarus
Objektbeschreibung
Buthe schöpfte aus einem Repertoire von religiös-spirituellen Glaubenssätzen, Symbolen und Mythen, das er auf seinen zahlreichen Reisen und während seiner stetigen Suche nach dem Magischen im Alltäglichen kennenlernte und verinnerlichte. Er arbeitete mit mythologischen Elementen, um so in eine von ihm geschaffene, mystische Welt einzutauchen. Titelgebend für die vorliegende Arbeit ist die Figur aus der altgriechischen Mythologie, die mit Flügeln aus Federn und Wachs hoch hinauf in den Himmel fliegt. Das Freiheitsstreben hat jedoch seinen Preis: Ikarus missachtet die Warnungen seines Vaters Dädalus und kommt der Sonne zu nahe: Das Wachs schmilzt und er stürzt ins Meer. Dieser Akt der Selbstermächtigung ist dennoch eine Parabel auf Buthes Leben. Er erhielt 1976 den Villa-Romana-Preis, einen der ältesten deutschen Kunstpreise. Mit dieser Auszeichnung war ein Aufenthalt in Florenz mit Atelier in der Villa Romana verbunden, bei dem dieses Werk entstand. Dort erhielt er viel Besuch und machte seine Gäste oftmals zu Protagonist*innen seiner großformatigen Werke. Buthe übertrug ihre Silhouetten auf Papier und Leinwand und arbeitete sie danach mit Ölfarbe, Wachs, Goldtupfern und Metallfolie aus. In dem Gemälde „Ikarus“ flankierte er den menschlichen Umriss mit Flügeln und Federn, um ihn in eine andere, befreite und schwebende Figur zu verwandeln. | Jill Praus