Senza natura morta n. 1
Objektbeschreibung
Schon sehr früh zeigte Gnoli außergewöhnliches Zeichentalent. Als Sohn eines Kunsthistorikers und einer Keramikkünstlerin wurde er seit seiner Kindheit ermutigt, Maler zu werden. Mit 16 Jahren begann Gnoli eine Lehre zum Graveur, und mit 19 schrieb er sich an der Akademie in Rom für Bühnenbildnerei ein, brach aber bald wieder ab. Dennoch hatte er in London und Paris später großen Erfolg als Bühnenbildner. Mitte der 1950er-Jahre ging Gnoli nach New York, wo er als Illustrator arbeitete. 1963 beschloss er, nach Mallorca zu ziehen und sich dort allein der Malerei zu widmen. Zwischen 1964 und 1969 entstanden die Gemälde, die für seine Kunst am charakteristischsten sind. Er stellte einfache, alltägliche Gegenstände in einem immens vergrößerten Maßstab dar, wobei er stets bestimmte Details wählte, sodass die Bilder wie Nahaufnahmen wirken: Knöpfe, Tische, Betten, Schuhe, Krawatten, Haare, die er mit größter Sorgfalt malte. Durch ihre Isolierung gewinnen die Objekte eine neuartige Präsenz, sie wirken fremd und unheimlich. „Senza natura morta“ (Ohne Stillleben) zeigt eine für Gnoli ungewöhnlich symmetrische Komposition mit einem runden Tisch, der mit einem altertümlichen, reich bestickten weißen Tischtuch bedeckt ist. Durch die geschickte Behandlung von Licht und Schatten sowie der Farbe beigemischten Sand erhält die Textur des Stoffs materielles Volumen und eine gewisse sinnliche Qualität. Die Betrachter*innen werden mit einer neuen Wahrnehmung eines gewöhnlichen Objekts konfrontiert. | Francisca Cruz