Snow
Objektbeschreibung
Während die New Yorker Kunstszene vom Abstrakten Expressionismus dominiert wurde, entwickelte Katz ab den 1950er-Jahren einen nüchternen figurativen Malstil, der sich durch eine radikale Flächigkeit und die Reduktion auf wenige Farben und Details auszeichnet. Es entstanden Ganzfigurenbilder und überlebensgroße Porträts vor monochromem Hintergrund, die keinerlei Körperhaftigkeit oder räumliche Tiefe evozieren. Auch seine Landschafts- und Architekturansichten aus der Zeit behaupten eine konsequente Zweidimensionalität, die Katz in späteren Werkphasen beibehielt. Das großformatige Gemälde „Snow“ ist charakteristisch für die Malweise des Künstlers. Sie basiert auf der Nass-in-Nass-Technik und einem sorgfältigen Verstreichen der Farbe, wodurch eine glatte, homogene Oberfläche erzielt wird. Das ausschnitthafte winterliche Architekturmotiv entstammt Katz’ unmittelbarer Umgebung im Stadtteil Soho und transportiert einen Moment der Stille und der eingefrorenen Zeit. Das Werk gehört in die Serie der „Nachtbilder“, die seit 1959 entstehen und sein Interesse an Lichtverhältnissen erkennen lassen. Während in „Snow“ die Hausumrisse noch klar zu erkennen sind, fordert Katz in anderen Bildern dieser Serie die Wahrnehmungsgewohnheiten stärker heraus, indem er beispielsweise vereinzelte erleuchtete Fenster auf tiefschwarzen Grund setzt. Wiederum andere zeigen Menschen in Innenräumen vor einer nächtlichen Großstadtkulisse und schattenrissartige Konturen von Bäumen. Obwohl Katz in Europa erst in den 1990er-Jahren größere Bekanntheit erlangte, wurde „Snow“ noch im Entstehungsjahr für die Vereinigte Kunstsammlung in West-Berlin erworben. | Irina Hiebert Grun