Die Meeresküste
Objektbeschreibung
Nešković wuchs in der Kleinstadt Bijela an der Küste Montenegros auf und zog später in das expandierende Belgrad, als sich die Stadt im Prozess der Modernisierung befand. Er hatte Erinnerung aus frühester Kindheit an häusliche Interieurs mit folkloristischen Wandteppichen und anderen Motiven festgehalten, oder aber den Blick auf das Meer. Beides ist auch in dem Bild „Die Meeresküste“ erkennbar. Seine künstlerische Ausbildung erhielt Nešković an der Akademie der Schönen Künste bei Mahajlo Petrov, einem ehemaligen Dadaisten, der ihn mit der historischen Avantgarde vertraut machte zu einer Zeit, als der jugoslawische Kulturraum noch von der sozialistischen Moderne einerseits und der Malerei des Informel des Belgrader Kreises andererseits beherrscht war. In der Ausstellung „American Vanguard Painting“ 1961 in Belgrad begegnete Nešković erstmals Werken des Abstrakten Expressionismus, bevor er 1964 auf der Biennale in Venedig die Werke von Jasper Johns sah. Um die Zeit seiner ersten Ausstellung in der Galerie des Graphischen Kollektivs in Belgrad (1965) entwickelte er eine neue Ikonografie, die auf moderne Technik und das urbane Leben verweist: fremdartige Flugmaschinen, Schießscheiben, Modedesign, alles in einem absichtlich naiv-infantilen Stil umgesetzt. „Die Meeresküste“ ist eine Collage von Ausschnitten, die an ein Kinderbuch erinnern und in einen klar definierten Bildraum eingefügt sind. Neškovićs künstlerische Praxis der 1960er- und 1970er-Jahre ist Teil der Neuen Figuration des Belgrader Kreises, die Mitte der 1960er-Jahre unter der Bezeichnung Nach dem Informel aufkam. Er nahm 1969 an der Jugendbiennale in Paris teil und war 1978 im Jugoslawischen Pavillon auf der Biennale von Venedig vertreten. | Svetlana Jevtovic Montua