Mädchenkopf (Porträt Pucci)
Objektbeschreibung
Der „Mädchenkopf“ entstand 1942 in Mailand in einer produktiven Phase Wiegmann Mucchis; er zeigt die heute unbekannte Pucci Tofanelli. Das Haus der in Italien als Genni Mucchi bekannten Bildhauerin und ihres zweiten Ehemanns, Gabriele Mucchi, in der Via Rugabella war ein Treffpunkt Mailänder Künstler und Intellektueller, zu denen vermutlich auch die Porträtierte gehörte. Die Künstlerin hatte 1917 eine Ausbildung an der privaten Lewin-Funcke-Schule in Berlin-Charlottenburg begonnen. Ihr archaisch wirkendes, gemäßigt expressionistisches Frühwerk ist jedoch mehr durch die Zeit an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Berlin-Charlottenburg von 1919 bis 1923 geprägt; der „Mädchenkopf“ hingegen steht für Wiegmann Mucchis Entwicklung nach ihrem Paris-Aufenthalt von 1931 bis 1933. Trotz nach wie vor prägnanter Umrisslinie und großer Zartheit zeigt sich darin eine rationale, spröde, moderne, weniger idealisierte Form, vergleichbar mit ihren verhaltenen weiblichen Figurenmotiven emanzipatorischen Charakters. Wiegmann Mucchi, die engagierte Sozialistin war und sich in Italien im antifaschistischen Widerstand befand, pendelte, nachdem Gabriele Mucchi 1956 einen Lehrauftrag an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee erhalten hatte, zwischen Mailand und Ost-Berlin. | Johanna Yeats