Der Beobachter (Selbstbildnis)
Objektbeschreibung
Wie ein Beobachter schaut der Künstler in seinem Selbstbildnis mit einem Auge die Betrachter:innen direkt an. Das andere wird, ebenso wie die Hälfte des Gesichts, von seinem aufgestützten Arm verdeckt, die Stirn darüber liegt im Schatten. Die Rollen von Betrachter:innen und Betrachtetem sind hier vertauscht. Der Ungar Pap malte sein Selbstporträt in Deutschland, in dem er insgesamt 13 Jahre verbrachte – erst als Student am Weimarer Bauhaus, von 1926 bis 1933 als Lehrer an Johannes Ittens Kunstschule in Berlin. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 kehrte Pap nach Ungarn zurück. Sein Selbstbildnis gelangte 1983 für eine Werkschau des Künstlers im Haus der ungarischen Kultur erneut nach Berlin, in den Ostteil der Stadt. Zu diesem Anlass ergab sich der Kontakt mit der Nationalgalerie, die Werke Paps erwerben wollte. An der Auswahl der Bilder war der Künstler beteiligt, bevor er noch im selben Jahr starb. Der Ankauf des Selbstbildnisses und des Gemäldes „Frau Wolpe“ (A IV 539) fand drei Jahre später, 1986, statt. | Emily Joyce Evans