Wattenmeer
Objektbeschreibung
Im Sommer 1955 ermöglichte Rosenhauers in Dresden geborener Jugendfreund Horst Bentz, nun Inhaber der Melitta-Werke Bentz & Sohn in Minden, dem Maler einen längeren Aufenthalt an der Nordsee. Rosenhauer kam in Varel in einem Zweigwerk der Firma unter und erkundete von dort die ostfriesische Küste. Es entstanden in diesen Wochen Ansichten von Fischkuttern in Greetsiel und in Hooksiel sowie diese Ansicht des Wattenmeeres. Sehr selten hat Rosenhauer reine Landschaften gemalt, die, wie hier, kaum vom Menschen geprägt sind. Nur die Holzpfähle im Vorder- und rechts im Mittelgrund zeugen von solchen Eingriffen. Die Wirkung des auf Weiß, Blau und Braun gestimmten Bildes beruht auf dem vielfältigen Gegensatz zwischen den geschlängelten Wasserläufen, den Prielen, in denen sich der stark bewölkte Himmel spiegelt, und den erdfarben und beige changierend, freiliegenden Sandbänken. Die Kostbarkeit der Arbeit liegt im genauen Erfassen des Sichtbaren, das in Malerei überführt ist. Weder naturalistische noch symbolistische Züge, auch keine Dramatik sind dem Werk eigen. Rosenhauer kommt es weniger auf die Bewegung des Wassers an, die stete, wenn auch langsame Veränderung, sondern er zeigt Stille, zuständliches Dasein in einem Gefüge von Farben. Der Maler hielt sich danach nicht wieder an der Nordsee auf, aber bis in die 1970er-Jahre hinein unternahm er Sommerreisen an die Ostsee, vorzugsweise nach Rügen und Hiddensee. | Angelika Wesenberg