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Objektbeschreibung

Bereits in den 1930er-Jahren hatte Lingner als Pressezeichner in Frankreich wiederholt das Thema Sowjetunion aufgegriffen. Mit dem 1957 in der DDR geschaffenen Werk „Ostwind“ verhandelt der Künstler das Sujet in einer äußerst plakativen Bildsprache. Darin fliegt ein junges Paar, eine Fackel erhebend, zum rechten Bildrand. Optimismus und Sinnlichkeit seines in Frankreich entwickelten Malstils bleiben erkennbar. Doch die für Lingner zuvor charakteristische Synthese von Individuum und formelhaften Typus scheint nun von einem geradezu karikaturhaft anmutenden Revolutionspathos geprägt. In einigen Vorarbeiten hatte Lingner das Paar mit Hammer und Sichel versehen, vermutlich in Anlehnung an die Monumentalplastik „Arbeiter und Kolchosbäuerin“ der sowjetischen Bildhauerin Vera Muchina (vgl. Thomas Flierl [Hrsg.], Max Lingner. Das Spätwerk 1949–1959, Berlin 2013, S. 34, Abb. 27). Das Werk entstand in einer Phase, in der sich Lingners Stil als Zugeständnis an dogmatische Vorgaben verstehen lässt, nachdem der Künstler Anfang der 1950er-Jahre im Zuge der Formalismusdebatte ins Visier der SED-Kulturpolitik geraten war. Ursprünglich handelt es sich bei „Ostwind“ lediglich um eine Vorlage für Stoffdrucke, die als provisorische Wandbehänge Kulturhäuser schmücken sollten. Die Nationalgalerie (Ost) erwarb das Bild 1965 unfreiwillig – als eine der zahlreichen Übereignungen des Kulturfonds der DDR. Dass „Ostwind“ nie ausgestellt wurde, lässt wenig Sympathie für das Werk vermuten. | Hannes Fallenstein