"An Max Klinger"
Objektbeschreibung
Die kleine, 64 Zentimeter hohe Gipsstatue „An Max Klinger“, wie sie in Albikers „Werkbuch“ (Karlsruhe 1978, S. 47) verzeichnet ist, wird im Schenkungsvertrag mit der Nationalgalerie (Ost) von 1989 als „Stehende mit Tuch“ tituliert (SMB-ZA, II A/NG 284). Im Kontrapost mit starkem Hüftschwung nach rechts und geneigtem Oberkörper stützt sich die nackte Frauenfigur mit dem linken Arm auf ein vertikales Element, von dem ein Tuch herabfällt. Den rechten Arm beugt sie so über den Kopf, dass sie sich ans linke Ohr fassen kann. Das angewinkelte linke Bein ist in tänzerischer Verdrehung hinter dem rechten Standbein aufgesetzt. Diese Drehung und Aktivierung der Diagonalen lassen die Figur in ihrer lässigen Haltung dynamisch und zugleich harmonisch erscheinen; sie bildet einen imaginären Raum aus. Ob die eher grob ausgearbeitete Statue mit den nur schemenhaften, antikisierenden Gesichtszügen und der Kurzhaarfrisur eine Hommage an Max Klinger war, wie der Titel suggeriert, bleibt ungeklärt. Albiker war mit vielen Künstlern seiner Zeit freundschaftlich verbunden, so möglicherweise auch mit dem 1920 verstorbenen Klinger. Der dem Symbolismus nahestehende Leipziger Maler und Bildhauer hatte den Villa-Romana-Preis gestiftet, mit dem Albiker im Jahr 1910 ausgezeichnet worden war. | Uta Caspary