Pegasus
Objektbeschreibung
Eines der späteren Werke der Berliner Bildhauerin zeigt ein sich aufbäumendes Pferd mit Flügeln. Die nur 18 x 23,5 x 11,2 Zentimeter messende Bronze stellt Pegasus dar, ein antikes Fabelwesen. Sintenis hielt es im Moment des Aufstiegs zum Flug fest. Die zarten Schwingen erscheinen fast zu klein, um seinen Körper zu tragen, doch die Leichtigkeit, mit der sich das Wesen emporhebt, lässt keine Zweifel an seiner Flugfähigkeit zu. Die Figur lässt sich zunächst Sintenis’ zahlreichen Tierplastiken zuordnen, den vielen Pferden und Jungtieren in ihrem Werk. Auch der Pegasus scheint mit seiner filigranen Erscheinung und den langen, schmalen Läufen noch nicht ausgewachsen zu sein. Darüber hinaus gehört er zu den wenigen mythologischen Figuren von Sintenis. Bei „Daphne“ (NG 48/81) und „Sirene (Harpye)“ (WVZ Berger/Ladwig 2013, 041) beschäftigte sie sich bereits früh in ihrem Schaffen mit der griechischen Mythologie. Unterschiedlichen Erzählungen zufolge soll Pegasus – der Sohn von Poseidon und Medusa – entweder aus dem durch Perseus abgetrennten Rumpf der Medusa (Hesiod, „Theogonie“, 280) oder aus ihrem Blut (Ovid, „Metamorphosen“ IV, 786) entsprungen sein. Er soll mit einem Huftritt Wasserquellen erschaffen (Euripides, „Elektra“, 475) und Bellerophon in seinem Kampf gegen die Chimäre getragen haben (Hesiod, „Theogonie“, 325). Während Aussagen über Sintenis’ Zuneigung zu Tieren existieren, finden sich zu ihrer Motivation für die Auseinandersetzung mit Themen der griechischen Mythologie keine Quellen. | Sophie Etinosa Agho