Bremer Flagge II
Objektbeschreibung
Die Flagge der Stadt Bremen besteht im Wesentlichen aus roten und weißen horizontalen Streifen mit dem Wappen in der Mitte. Gauls rundes Gemälde „Bremer Flagge II“ auf Hartfaserplatte greift wenig davon auf. Zwar zeigt es die Streifen der Fahne, allerdings nur sieben statt der vorgeschriebenen (mindestens) acht. Sie bilden einen horizontalen Bogen, wobei sie eine blaue Kreisform teilweise bedecken und diese an den Rändern überragen. Mit dem Schwung zum Zentrum, nach oben und wieder nach unten deuten die Streifen eine Wellenbewegung an. In der Mitte wechseln die am Rand weißen Streifen zu Blau, doch das Auge folgt der Biegung und fügt alles zu einer durchgehenden Bewegung zusammen. Die Welle erinnert an die Seefahrtgeschichte und -gegenwart der Hansestadt. Die blaue Fläche im unteren Bilddrittel scheint den Bezug zum Meer zu unterstreichen. Gaul könnte hier eine alternative Flagge anbieten, auch wenn die Bedeutung Bremens für das Werk nicht überschätzt werden sollte. Die Streifen dominieren nicht, sondern sie werden überlagert von einer breiten V-Form, die sich in das Bildzentrum schiebt. Es geht um die Ausgewogenheit von Formen, Flächen und Farben. Gaul gehörte zu einer Reihe von modernen Künstlern, die seit den 1920er-Jahren mit der äußeren Bildform experimentierten. Unregelmäßig geformte Leinwände oder Tafeln (das „geformte Bild“) sind ein prominenter Bestandteil seines Gesamtwerks. | Emily Joyce Evans