Logo

Paschergut im Erzgebirge


FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Während eines Sommeraufenthaltes im Erzgebirge hatte Glöckner Ende der 1920er-Jahre die Struktur der Landschaft und die dörfliche Architektur für sich entdeckt. Es war genau die Landschaft, die er gesucht hatte: „Dort sah ich die Flächen der Felder und die Flächen der Dächer, die Giebel und eben schon Formen, die später ganz ausgeprägt zu meinen Bildinhalten werden sollten“ (Hermann Glöckner, Meine Arbeit ist mein Leben, in: John Erpenbeck, Hermann Glöckner. Ein Patriarch der Moderne, Berlin [Ost] 1983, S. 56). „Paschergut im Erzgebirge“ ist eine solch geometrisierende Naturstudie. In einer dunklen grau-grünen und schwarzen Farbigkeit gehalten, stellte Glöckner ein menschenleeres Gehöft dar. „Paschergut“ steht für Schmugglerware, weshalb das Bild auf einem alten Foto (SMB-ZA, Künstlerdokumentation) auch als „Schmugglerhof“ bezeichnet worden ist. Das Motiv ist jedoch nur angedeutet und nicht detailliert ausgeführt. Wie in seinen übrigen halb abstrakten Arbeiten ging es dem Künstler um die Struktur, das Verhältnis der einzelnen Formen im Bildraum, weniger um das Sujet. Solche gegenständlichen Kompositionen entstandenen parallel zu Glöckners abstrakten Arbeiten, sah er in den Giebeln der Bauernhäuer doch ähnliche Formen von Faltungen und geometrischen Flächen, wie er sie seit 1930 in seinen gegenstandsfreien Tafeln schuf. Die zeithistorischen Umstände der 1930er-Jahre schlagen sich in Glöckners Werken nicht nieder. Der schon vor 1933 recht zurückgezogen lebende Künstler zeigte seine freien Arbeiten in den folgenden Jahren kaum jemandem. Ihren Lebensunterhalt verdienten er und Frieda, seine Frau, durch dekorative Wandgestaltungen am Bau. | Maike Steinkamp