Gefangene Tiere
Objektbeschreibung
Als bekennender Kommunist hatte Grundig Mitte der 1930er-Jahre die Gewalt der NS-Schergen bereits am eigenen Leib erfahren müssen. Dem begegnete der Künstler mittels einer ausgefeilten Symbolik, die sich allgemeinverständlicher Charakteristika von Tieren bedient. So hetzen in seinem Gemälde „Gefangene Tiere“ zwei aggressive Hunde ein verängstigtes Pferd im Kreis. Die Tiere sind von einer runden Mauer eingeschlossen, durch die es offensichtlich keinen Ausweg gibt. Für Grundig, so schrieb seine Ehefrau Lea später, verkörperten die feinfühligen, stolzen Pferde das Volk, während er die sklavischen Hunde als willfährige und freudige Vollstrecker höherer Befehle betrachtete (vgl. Lea Grundig, Gesichte und Geschichte, 1959, Dresden 1964, 5. Aufl., S. 149 f.). Das Gemälde gehört zu einer ganzen Serie von Arbeiten, vornehmlich Grafiken, in denen Grundig wie in Tierfabeln Fragen nach der Verhältnismäßigkeit von „rassen-“ oder parteipolitischer Verfolgung, nach Widerstand, Leben und Tod, aber auch nach dem Alltag unter dem NS-Regime behandelt hat. Dabei nutzte er fantastische, visionäre Elemente in seinen Werken jener Zeit weniger, um Botschaften zu verschlüsseln, als dazu, sie in einer reichen Bildsprache mit scharfem, realistischem Blick auf die Wirklichkeit zuzuspitzen (vgl. ebd., S. 150). | Maike Steinkamp