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Objektbeschreibung

Aufnahmen aus der Hand Heinrich Zilles (E. Kaufhold (Hg.), Heinrich Zille. Photograph der Moderne. Verzeichnis des photographischen Nachlasses, München 1995, WV 44/45, Taf. 123) dokumentieren das Tonmodell zu Gauls stehendem Löwe. Neueren Forschungen zufolge legt Zilles Fotografie, auf der im Hintergrund die Steinplastik eines liegenden Löwens  –  dem Löwen für das Palais-Mosse  –  zu sehen ist, die Entstehung des Tonmodells auf das Jahr 1903 nahe. Gaul hatte seinen Löwen erstmals 1904 auf der Ausstellung des Deutschen Künstlerbunds in München präsentiert, 1905 konnte die Nationalgalerie den von langer Hand geplanten Ankauf realisieren. Dem Vorbild Berlins folgend erwarb gleich im darauffolgenden Jahr die Hamburger Kunsthalle den zweiten Guss dieser Plastik (mit aus Onyx eingesetzten Augen), darüber hinaus ist ein heute nicht mehr nachweisbarer dritter Guss durch Quellen belegt. Gaul konzentrierte sich bei der Darstellung des erhabenen Tiers ganz auf die silhouettenhafte Fernwirkung, reduzierte alle Details auf das Wesentliche und vermied jegliche erzählerische Bewegtheit sowie ikonografisch-symbolische Aufladung der Komposition. Mit dem gerichteten Interesse auf formale Aspekte der Plastik, der in strengen Achsen angelegten Ausrichtung, der Formulierung klarer Oberflächenstrukturen und abgegrenzter Volumina, gilt Gaul mit seinen Tierdarstellungen als Erneuerer der Bildhauerei am Beginn des 20. Jahrhunderts. | Yvette Deseyve