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Frau, geschminkt für den Jahrmarktzirkus

1960 erworben durch das Land Berlin

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Objektbeschreibung

Rouault, Schüler, Bewunderer und Freund des Malers Gustave Moreau, hatte um die Jahrhundertwende, mit ausgelöst durch den Tod Moreaus, eine existenzielle Krise erlitten. Bei einem Aufenthalt in der Benediktinerabtei Ligugé bei Poitiers begegnete er dem Schriftsteller Joris-Karl Huysmans, der dort eine Künstlerkolonie zu gründen beabsichtigte. Prägender noch wurde die Freundschaft mit dem gleichgesinnten Schriftsteller Léon Bloy. Dessen 1897 erschienenen Roman „La Femme pauvre“ („Die Armut und die Gier“), der die Beziehung mit der Prostituierten Berthe Dumont verarbeitet, hatte der unterdessen zum Konservator am Musée Gustave Moreau ernannte Rouault im Nachlass Moreaus entdeckt. Das Buch bestärkte Rouault, mit seinen meist kleinen, sehr düsteren Darstellungen von Schaustellerinnen und Dirnen fortzufahren, zunächst bis 1914. Er hat die Frauen in oft brutal anmutender Hässlichkeit, unförmig und wenig verführerisch wiedergegeben. Die schwere Farbigkeit veranschaulicht ihre Situation, die hiebartig hingesetzten Pinselstriche zeugen von ihrer Verletztheit. Das warme Rot in dem vorliegenden Porträt entfaltet seine Wirkung erst auf den zweiten Blick. Den Widerspruch zwischen erstrebter Schönheit und Not unterstreicht die Halskette. Die knollige Nase und die glasig starrenden Augen bestimmen die Aussage des Bildes. Dabei karikierte Rouault nicht, er malte anonyme, ins Archaische stilisierte Figuren, denen sein Mitleid galt. 1948 vernichtete er über 300 Werke seiner Frühzeit, die wenigen erhaltenen Bilder wurden damit zu seltenen Kostbarkeiten. | Angelika Wesenberg