SolŒil
Objektbeschreibung
Licht spielt eine entscheidende Rolle in Pienes Werk sowie im Schaffen der von ihm 1957 gemeinsam mit Heinz Mack begründeten Gruppe ZERO. Zunächst hatte Piene an den Akademien in München und Düsseldorf Malerei und Kunsterziehung studiert und anschließend an der Universität zu Köln das Staatsexamen im Fach Philosophie abgelegt. Ziel der beiden jungen Künstler war es, dem von subjektiven Ausdrucksgesten geprägten Farbauftrag der Malerei des Informel etwas entgegenzusetzen. Stattdessen sollten Licht und Vibration als übergeordnete Phänomene erforscht werden, um eine neue Sensibilität in der Wahrnehmung zu erreichen. Als Mittel hierfür dienten monochrome Bildgründe, die Strukturierung der Oberflächen sowie indirekte Herstellungsverfahren. Eine solche Methode entwickelte Piene im Sommer 1957, indem er Löcher von Rastersieben so vergrößerte, dass Ölfarbe mit dem Rakel gleichmäßig hindurchgedrückt werden konnte. Die gelb grundierte Leinwand von „SolŒil“ (Sonnenauge) ist mit oval angeordneten Reliefpunkten versehen, die vom Licht unterschiedlich erfasst werden. Mit weißer Farbe akzentuierte Piene das Zentrum durch einen Kreis mit umgebendem Oval. Es ging ihm um die Verbindung zwischen kosmischem Körper und menschlichem Sehorgan, ganz im Sinne des Gedichts: „Wär nicht das Auge sonnenhaft, / Die Sonne könnt es nie erblicken; / Läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft, / Wie könnt uns Göttliches entzücken?“ (Johann Wolfgang Goethe, Zahme Xenien III, in: ders., Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens, Münchner Ausgabe, Bd. 13.1, München/Wien 1992, S. 108) | Dieter Scholz