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Nacht über Deutschland (1. Skizze)


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Objektbeschreibung

Von der Hakenkreuzfahne tropft das Blut auf ein Meer von Baracken, das sich bis zum Horizont erstreckt. Die zahllosen „Blocks“ des Konzentrationslagers könnten ebenso als Särge oder Grabsteine gedeutet werden – wären diese den KZ-Häftlingen nicht vorenthalten worden. Anders als in dem monumentalen Triptychon „Nacht über Deutschland“ (A III 257) bleiben die hinter Stacheldraht und Mauern zusammengepferchten Opfer in dieser ersten Ölskizze für jenes groß angelegte Gemälde unsichtbar. Das Bild nimmt exemplarisch einen Täter in den Blick. Armbinde und Uniform scheinen dem Aufseher jeden eigenen Ausdruck zu nehmen. Indem Strempel die Figur mit der Kopfbedeckung eines französischen Soldaten wiedergab, ließ er seine Erfahrungen im französischen Lager Gurs nördlich der Pyrenäen einfließen, in dem er 1940 interniert war. Die polierten Stiefel, der angedeutete Oberlippenbart und die gefletschten Zähne deuten jedoch auf einen brutalen Nazischergen, der mit wachsamem Auge darauf wartet, die Peitsche in seiner Hand einzusetzen. Durch die Ambivalenz zwischen anonymer Grausamkeit und individuellem Sadismus wirken die Figur und die Szene insgesamt besonders angsteinflößend und hoffnungslos. Zwar graut in der Ferne der Morgen. Doch im Bildvordergrund leuchtet lediglich die hässliche Fratze des Wächters grell, als würde sie in diesem Moment von einem Scheinwerfer erfasst werden. Das Lager selbst ist von tiefer Dunkelheit umgeben. | Sven Haase