Bildnis Maria Günther
Objektbeschreibung
Nach seiner Rückkehr aus Paris, wo er 1930 und 1931 Aktstudien an der Académie de la Grande Chaumière betrieben hatte, widmete sich Günther wieder der Porträtmalerei. Es entstanden Bildnisse jüdischer Freunde, von Kindern und seiner Frau Maria, geborene Fock (Lebensdaten unbekannt). 1932 hatte er sie im Büro des Bauhausarchitekten Thilo Schode (vgl. das Porträt von dessen Sohn Rolf, A IV 135) kennengelernt und zu Silvester desselben Jahres geheiratet. Weitere Bildnisse von ihr befinden sich im Berliner Kupferstichkabinett („Nähende Frau“, 1933, und „Mutter mit Kind im Arm“, 1934) sowie in Privatbesitz („Porträt einer jungen Frau mit Kopfstudien – Maria“, 1932; vgl. Kurt Günther. 1893–1955, Ausst.-Kat. Kunstgalerie Gera, 1993, Abb. S. 80, Nr. K 178). Die großblütige Chrysantheme erinnert an Günthers frühe Blumenstücke, entstanden 1913, als er an der Dresdner Kunstgewerbeschule studierte. Ihre schmalen, geschwungenen Kronblätter korrespondieren mit Maria Günthers ungewöhnlich langen Wimpern und deren Schattenwurf. In Verbindung mit den spinnennetzartigen Ärmeln der Porträtierten entsteht eine sonderbare, von Sonnenstrahlen und Düsternis durchwobene Atmosphäre. Im selben Jahr wurde Günthers Atelier von der Gestapo durchsucht. 1937 waren seine Werke in der diffamierenden Wanderausstellung „Entartete Kunst“ im Leipziger Grassi-Museum zu sehen. | Kyllikki Zacharias