Februar bei Haarlem
Objektbeschreibung
Manessier, der 1941 während der deutschen Besatzung an der Ausstellung „Vingt jeunes peintres de tradition française“ in Paris mitgewirkt hatte, entwickelte mit seinen Freunden aus der Tradition heraus eine Abstraktion, die der französischen Malkultur verbunden blieb. Für Manessier drückte sich Schönheit in Farbe und Licht aus, nicht von ungefähr wurde er auch zum Schöpfer bedeutender Glasfenster. „Die ganze Passion gehört, da sie der Malerei als solcher gehört, der Farbe, und Farbe heißt für Manessier: Licht. Das Licht ist das große Thema und immer auch das große Geheimnis seiner Kunst. Es ist – als Farbe – in gleichem Maße elementares Mittel des Malers und Erscheinungsform jenes Geistes, als dessen Künder er sich beauftragt weiß.“ (Werner Schmalenbach, Alfred Manessier, Ausst.-Kat., Hannover, 1958, S. 11) Im Februar 1955 besuchte Manessier für einige Tage Holland. Die flache, durch Felder und Gräben gegliederte Landschaft und das silbrige, feuchte Licht beeindruckten ihn nachhaltig und führten zu einer Reihe ähnlicher Darstellungen: lineare, an chinesische Schriftzeichen erinnernde Formen in Blau auf grauem Grund, in sich farblich gegliederte Flächen, dazwischen Lichtquellen, Sonne und Mond – eine auf wenige Töne gestimmte Farbigkeit. Das zeichenhafte Gefüge bleibt dem Landschaftserlebnis verbunden, aber es reproduziert nicht Sichtbares, sondern vermittelt einen atmosphärischen Eindruck. Die Kunstgeschichtsschreibung hat diese Bilder der „lyrischen Abstraktion“, einer Richtung der École de Paris nach 1945, zugerechnet. | Angelika Wesenberg