Wahnsinnige Harlekine vor den Trümmern des Krieges
Objektbeschreibung
Sechs Jahre arbeitete Ehmsen an diesem Bild. In jene Zeit fielen seine Berufung zum Vizedirektor der Berliner Hochschule für die bildenden Künste 1945, seine Teilnahme an der Reise einer Künstlerdelegation nach Moskau 1948 und seine Unterschrift unter eine Grußadresse an den „Weltfriedenskongress“ der Kommunistischen Partei 1949 in Paris. Diese Unterschrift führte zur Entlassung Ehmsens von der Hochschule in Berlin-Charlottenburg und anschließend zu seiner Aufnahme als Gründungsmitglied der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin. Das Gemälde zeigt eine winterlich-erstarrte Ruinenlandschaft, zerrissen in gleißend helle und nachtschwarz verschattete Partien. In ihrer Mitte scheint eine Krankonstruktion in schrillen Rot-Rosa-Orangetönen (abgeleitet von der im Krieg entstandenen Zeichnung „Gesprengte Kräne in Rotterdam“; Heinrich Ehmsen, Wien 2009, Abb. S. 44) förmlich zu explodieren. Darunter sind glühende Häuser, marschierende Soldaten und schräg ragende Totenkreuze zu erkennen. Vor dieser apokalyptischen Szenerie tanzen die „wahnsinnigen Harlekine“ mit Krawatte in den deutschnationalen Farben Schwarz-Weiß-Rot und mit den Attributen des Börsianers: Schirm und Zylinder. Ursprünglich hatten die Anzüge Nadelstreifen getragen (vgl. Karl Max Kober, Die Kunst der frühen Jahre. 1945–1949, Leipzig 1989, Taf. 252), die auch in früheren Werken des Künstlers den Kapitalisten charakterisieren (vgl. „Gegensätzliche Menschen“, A II 1048). | Kyllikki Zacharias