Selbstbildnis
Objektbeschreibung
Das im Werkverzeichnis der Ölgemälde als Nummer 1 geführte „Selbstbildnis“ von Nay zeigt den 20-jährigen Autodidakten mit einem altmeisterlich wirkenden Samtbarett. Die rotbräunliche Farbe der ungewöhnlichen Kopfbedeckung sticht kaum vom dunklen Hintergrund des Bildes ab und trägt dazu bei, dem Gesicht des Dargestellten eine anämisch-fahle Note zu verleihen. Der Hell-Dunkel-Kontrast unterstreicht den ernsten, suchenden Blick des Künstlers. Bereits in diesem frühen Werk galt Nays Interesse weniger physiologischen oder psychologischen Fragen denn rein malerischen Problemen: „Giotto lernte nicht vor der Natur, sondern von seinem Lehrer Cimabue“, bemerkte Nay (zit. nach WVZ Scheibler 1990, 1, S. 68). So nimmt es nicht wunder, dass dieses Selbstbildnis nur wenig Ähnlichkeit mit dem Künstler zeigt. Zwei Jahre später erhielt Nay mit Unterstützung von Karl Hofer, der seine Begabung erkannte, ein Stipendium für dessen Malklasse an der Berliner Hochschule für die bildenden Künste. In der folgenden Zeit entstanden vier weitere Selbstbildnisse in Öl, 1928 und 1932 sowie 1940 und 1941, von denen lediglich eines (jenes von 1940, WVZ Scheibler 1990, 291) erhalten blieb. | Kyllikki Zacharias