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Doppelbildnis Verso: Skizze (drei Akte)


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Objektbeschreibung

In seinem „Doppelbildnis“ zeigt sich Pechstein mit seiner damaligen Freundin, der 17-jährigen Charlotte Kaprolat (1893–1965). Als wichtigstes Modell des Malers nimmt sie auf zahlreichen Figurenbildern der Jahre 1909 bis 1913 eine zentrale Position ein. Doch der selbstbewusste Blick des Künstlers und sein stattlicher Aufzug geben unmissverständlich zu erkennen, dass dieses Mal er die Hauptperson ist. Lotte dagegen verschmilzt in ihrem gelben Kleid nahezu mit dem Wandbehang im Hintergrund. Es ist kein Zufall, dass sich der künstlerische Rebell Pechstein im Sommer 1910 durchaus bürgerlich darstellte. Der 28-jährige Maler war kurz zuvor, am 11. Mai, zum Präsidenten der Neuen Secession gewählt worden und galt als Sprachrohr all jener, die sich nach der Zurückweisung ihrer Arbeiten durch die Berliner Secession zusammengeschlossen hatten. Lotte stand Pechstein auch für sein legendäres Ausstellungsplakat der Neuen Secession mit der Darstellung einer mit Pfeil und Bogen bewaffneten Amazone Modell. Anders als auf diesem „Secessionslogo“, das im selben Jahr entstand, wirkt Lotte im „Doppelbildnis“ jedoch eher schüchtern und zurückhaltend. Künstler und Modell waren im Sommer 1910 seit anderthalb Jahren ein Paar. Sie heirateten Ende März 1911, zehn Jahre später wurde die Ehe geschieden. Das „Doppelbildnis“ verblieb als Erinnerung an die glücklichen Tage der Beziehung in Pechsteins Besitz, wurde aber von seiner zweiten Frau Martha nicht gern gesehen. So überließ es der Maler in den 1920er-Jahren seinem engen Freund, dem Kunsthistoriker und Kunsthändler Eduard Plietzsch, von dessen Witwe Mica die Nationalgalerie (West) es 1966 erwarb. | Aya Soika