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Objektbeschreibung

Picasso hatte in der ersten Monatshälfte des Septembers 1920 noch im Sommerurlaubsort Juan-les-Pins an der Côte d’Azur begonnen, eine Folge von Stillleben zu schaffen. Dieses Genre hatte der Künstler in seiner kubistischen Phase mit besonderer Vorliebe wiederholt. Als Motive wählte er dabei Alltagsgegenstände wie Flasche, Glas, Pfeife, Würfel oder Spielkarte, aber auch Musikinstrumente, insbesondere die Gitarre, gehörten zu den immer wieder eingebrachten Requisiten. Ein Klavier erscheint allerdings kaum einmal (eine spektakuläre Ausnahme bildet das „Stillleben auf einem Klavier“, NG MB 17/2000). Am 26. September, kurz vor der Abfahrt nach Paris, entstanden zwei Gouachen mit dem ausschließlichen Motiv eines Klaviers. Bis in die 1990er-Jahre war offenbar unbemerkt oder unberücksichtigt geblieben, dass die heute im Museum Berggruen befindliche Gouache genauso wie ihr Pendant, „Piano (II)“, im Pariser Musée Picasso das vom Künstler selbst eingetragene Datum „26-9-20“ auf der Rückseite trägt. Beide Fassungen, im Format übrigens fast gleich, sind flächig im Sinne des synthetischen Kubismus aus größeren, wie ausgeschnitten erscheinenden Farbpartien zusammengesetzt, doch anders als bei der 1916 geschaffenen Gouache „Sitzender Mann am Tisch“ (NG MB 29/2000) bleibt hier die abgebildete Gestalt des Pianos (genauer gesagt: eines Flügels) deutlich erkennbar. Somit belegen diese beiden Blätter eine Harmonisierung zwischen kubistischer und klassizistischer Formgestaltung. | Hans Jürgen Papies