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Bildnis des Kunsthistorikers Wilhelm Niemeyer


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Objektbeschreibung

Schmidt-Rottluffs Halbkörperporträt des Hamburger Kunsthistorikers und Dozenten an der dortigen Kunstgewerbeschule Wilhelm Niemeyer (1874–1960) ist, obwohl 1921 gemalt, noch ganz einer expressionistischen Gestaltungsweise verpflichtet. Das maskenhafte Bildnis, das von Gelb-, Grün- und Blautönen dominiert wird, entstand, nachdem Niemeyer den Freund im März 1921 besucht hatte. Im rechten Hintergrund deutet eine Leinwand mit einem stark vereinfachten Figurenbild auf das Atelier als Ort der Entstehung hin, verweist aber auch darauf, dass Niemeyer als passionierter Sammler selbst elf Gemälde des Künstlers besaß. Nachdem er sich bereits 1910 für Schmidt-Rottluff zu interessieren begonnen hatte, erwarb er 1913 sein erstes Gemälde des Malers, mit dem er besonders während des Ersten Weltkriegs eine enge Brieffreundschaft unterhielt. In den ersten Jahren der Weimarer Republik setzte sich Niemeyer wiederholt für Schmidt-Rottluff ein. Das nicht von ihm erworbene Porträt sah er im Herbst 1921 in Alfred Hellers Kunstsalon in Berlin, wo Schmidt-Rottluff es erstmals der Öffentlichkeit präsentierte. Von 1920 bis 1922 gab Niemeyer zusammen mit Rosa Schapire die expressionistische Zeitschrift „Kündung“ heraus, zu der Schmidt-Rottluff zahlreiche Holzschnitte und die typografische Gestaltung der Texte Niemeyers beitrug. Wegen persönlicher Differenzen endete der enge Kontakt zwischen Künstler und Kunsthistoriker im Frühjahr 1922. | Aya Soika