Ohne Titel
Objektbeschreibung
Die US-amerikanische Bildhauerin wurde in den späten 1950er-Jahren mit objekthaften Relief¬bildern bekannt, die sie aus benutzten Alltags¬ma¬te¬rialien fertigte. Bontecou hatte 1952 bis 1956 an der Art Students League in New York studiert, wo sie erste Zeichnungen und Skulpturen schuf. Für ihre späteren Objekte nutzte sie Gewebebahnen von Förder-bändern, indus¬trielle Stahl¬elemente oder Flugzeugteile, die sie mithilfe von Metall¬ge-flechten und Kupferdraht zu organisch-technoiden Raumgebilden zusammensetzte. Ihre Reliefs entstanden unter dem Eindruck der Errungenschaften von Wissenschaft und Raumfahrttechnik sowie einer neuen Materialästhetik, wobei es ihr immer auch darum ging, den Werkprozess offenzulegen. Bontecous Reliefs drängen einerseits von der Fläche in den realen Raum, während andererseits die kraterartigen, mit Samt ausgekleideten Öffnungen, die die meisten Arbeiten dieser Zeit bestimmen, den Blick in die Tiefe leiten. Diese schwarzen Löcher verweisen dabei nicht nur auf den Weltraum, sondern spiegeln gleichzeitig die Ängste in dieser Zeit wider, die durch den Kalten Krieg und den Vietnamkrieg geprägt war. Anfang der 1970er-Jahre zog sich Bontecou aus dem Kunstbetrieb ins ländliche Pennsylvania zurück und nahm eine Lehrtätigkeit am Brooklyn College an. Künstlerisch tätig war sie weiterhin, wandte sich von nun an aber vermehrt der Natur zu. Bontecou war in zahlreichen bedeutenden Ausstellungen vertreten, wie 1961 auf der Biennale in São Paulo oder 1964 bei der 3. „Documenta“ in Kassel. | Maike Steinkamp