Selbstbildnis
Objektbeschreibung
Nach der Rückkehr aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft begann Dunkel 21-jährig seine Ausbildung an der nach dem Krieg neu gegründeten Hochschule für Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. Zunächst Schüler in der Klasse der Malerin und Grafikerin Eva Schwimmer, zog es ihn schon bald in die Bildhauereiklasse von Bernhard Heiliger, dem er 1949 an die Charlottenburger Hochschule für Bildende Künste folgte. Im Gegensatz zu seinem Lehrer löste sich Dunkel zeitlebens nicht von der menschlichen Figur. Neben Denkmalaufträgen und Statuetten waren Porträts ein bestimmendes Thema seines Schaffens: Es entstanden circa 45 Bildnisse sowie 10 Selbstporträts. Sein 1954 entworfenes Selbstbildnis beschreibt ihn als jungen Mann mit wachem Blick, ruhig konzentrierten Gesichtszügen und charakteristischer Nase. Deutliche Arbeitsspuren erzeugen eine lebendige Oberfläche auf der in klare Einzelvolumen gegliederten Fläche. Das Selbstbildnis ist charakteristisch für Dunkels Frühwerk, während er sich in seinen späteren Plastiken verstärkt einer offenen, porösen Oberflächengestaltung zuwandte, die ihre Entsprechung in einer radikalen Torsierung, Deformierung und Fragmentierung der bildhauerischen Form fand. Dunkel sah in dieser Arbeitsweise die Möglichkeit, den Werken eine inhaltliche Offenheit und Verletzlichkeit einzuschreiben. Der Guss der 1954 entworfenen Büste gelangte 1960 als Schenkung der Victoria-Versicherung Berlin in die Sammlung der Nationalgalerie. | Yvette Deseyve