Männerporträt
Objektbeschreibung
Nach seinem Studium der Malerei an der Hochschule der Künste Dresden wurde Böttcher 1955 Meisterschüler von Heinrich Ehmsen an der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin. 1956 beteiligte sich der 23-jährige Maler mit diesem „Männerporträt“ erstmals an der Jahresausstellung der Akademie. Fritz Cremer setzte sich dafür ein, dass das Bild auch in die Auswahl für die Ausstellung „Junge Künstler“ anlässlich der IV. Weltfestspiele in Moskau kam. Böttcher erhielt denn auch einen der Preise für Malerei und durfte nach Moskau und Leningrad reisen. Das Porträt zeigt eines der Modelle, die Cremer für sein Buchenwalddenkmal herangezogen hatte. Dessen Auftragsarbeit entstand nach Kritik, mehr Opfer als kampfbereite Helden zu zeigen, und darauf eingehende Änderungen, ab 1954. Böttcher zeigt das markant herbe Modell betont selbstbewusst, im blauen Arbeitsanzug, breitbeinig, mit verschränkten Armen. Gestützt auf ein Gespräch mit Böttcher beschrieb Roland März die Figur 1984 so: „Im Habitus des asketischen Proletariers hat er ihn auch gemalt, in einem breiten, statuarischen Sitzen der Gestalt. […] Ihre kantige, verschlossene Körperarchitektur ist erfüllt von einer angespannten Ruhe, die im Antlitz des Dargestellten zur völligen Konzentration auf sich selbst weitergeführt ist.“ (Roland März, in: Alltag und Epoche, Berlin 1984, S. 73). Der rot changierende Hintergrund mit der schwarzen Vertikalen links und der hellblauen Sitzfläche rechts verstärkt den Eindruck von Strenge, Einfachheit und Stärke. | Angelika Wesenberg