Paysage coquillages
Objektbeschreibung
Der Kreis der Surrealisten, der sich Anfang der 1920er-Jahre in Paris um André Breton gebildet hatte, war zu Beginn eine rein literarische Bewegung. Ernst gehörte zu den ersten Künstlern, dessen Werk die Gruppe auf dem Gebiet der bildenden Kunst akzeptierte. Das lag weniger an den von ihm gewählten Themen und Motiven als an den verschiedenen indirekten Techniken, die er im Laufe der Jahre für die Kunst nutzbar machte. Den Surrealisten galten sie als Äquivalent ihrer eigenen, die kontrollierende Logik ausschaltenden Methoden. Sie schätzten Ernsts Collagen, in denen der Künstler verschiedene Realitätsebenen unvermittelt aufeinanderstoßen ließ, ebenso wie seine „Frottagen“ (Durchreibungen), in denen die Handschrift des Künstlers zugunsten einer sich gleichsam selbst generierenden Bildwelt aufgegeben wird (vgl. „Der Stall der Sphinx“, Sammlung der Nationalgalerie, Schenkung Pietzsch). Aus der Technik der Frottage entwickelte Ernst die „Grattage“: Die biomorphen Formen der „Muschellandschaft“ entstanden durch das Abkratzen der pastos aufgetragenen, noch feuchten Farbe. Das so erweckte Eigenleben dieser sonderbaren Wesen wird durch den starken Schwarz-Rot-Kontrast, die ausgeprägte Horizontlinie und das scharf eingezogene Winkelgraphem verstärkt – als Zeugnis einer weiteren, sich neben der Natur und den Erfindungen des Menschen entwickelnden geheimnisvollen Existenz. | Kyllikki Zacharias