Relief marron sur noir
Objektbeschreibung
In sackartigen Wülsten, die an Sofapolster erinnern, breitet sich eine dunkel übermalte Zementmasse in der unteren Hälfte des Formats aus. Durch das plastische Material wird der Rahmen der Malerei beinahe verlassen. Nach dem surrealistisch geprägten Frühwerk hatte Tàpies Ende der 1950er-Jahre diese „informelle“, materialbetonte, gleichzeitig von sehr reduzierten Einschreibungen durchsetzte Malerei entwickelt. Mit Bildern dieser Werkphase erlangte er auf der „Biennale von Venedig“ 1960 internationale Bekanntheit. Die materielle Präsenz und die wie von Narben bedeckte Oberfläche seiner Bilder rücken diese in unmittelbare Nähe zum menschlichen Körper. Horizontale Bildelemente können so als Metaphern des Liegens gelesen und in letzter Konsequenz auch mit Schwäche, Krankheit, Tod assoziiert werden. Das Relief ist motivisch vielfach mit anderen Werken verbunden, so vor allem mit „Rose Painting with Black Stripe“ (1963, WVZ Augustí 1208), „Matter-Armchair“ (1966, WVZ 1582) und „Signs over White Ovals“ (1963, WVZ 1583) sowie dem Objekt „Matratze“ von 1971 (WVZ 2380). Die Matratze bildet gewissermaßen auch die inhaltliche Brücke zu der „Malerei mit Bettenden“ von 1967 (B 900). | Oliver Seifert