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Objektbeschreibung

Pflanzen aus fernen Ländern wie die Amaryllis, Kakteen oder Sukkulenten waren in den 1920er- und 1930er-Jahren sehr beliebt: Eingetopft und selbst in dunklen Mietwohnungen leicht zu pflegen, verliehen sie dem bürgerlichen Heim ein exotisches Flair. Wie viele Maler der Neuen Sachlichkeit bemühte sich auch Lenk, diese und ähnliche Alltagsdinge mit größtmöglicher Präzision wiederzugeben. Durch das ungewöhnliche Setting (im Vordergrund die subtropische Zimmerpflanze, im Hintergrund eine nebelige Landschaft mit Pappeln, wie man sie in unseren Breitengraden kennt) und die Kombination verschiedener Sehdistanzen (mikroskopische Nahsicht und normale Augenentfernung) hat der Künstler dem scheinbar harmlosen Motiv eine geheimnisvolle Wirkung verliehen, die auf einen weiteren, jenseits der sichtbaren Wirklichkeit existierenden Bedeutungsraum hinweist. Seine altmeisterliche Technik – Eitempera auf Leinwand auf Holz – sollte wenig später auch die Nationalsozialisten entzücken. Lenk erhielt 1933 eine Professur an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin, nutzte diese Position aber auch für solidarisches Engagement mit verfemten Künstlerkollegen wie Otto Dix. 1935 zog sich der Maler in die „innere Emigration“ zurück. Im Berliner Kupferstichkabinett befindet sich eine 1927 entstandene Studienversion der „Amaryllis“. | Kyllikki Zacharias