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Wien, Liebhartstal


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Objektbeschreibung

Die Sicherheit einer Professur an der Kunstakademie Dresden seit 1919 verschaffte Kokoschka die Möglichkeit, seinen Eltern 1920 in Ottakring am Liebhartstal im Wiener Westen ein Haus zu kaufen. Von seinem Atelier aus, das er sich dort im Obergeschoss eingerichtet hatte, malte er im Frühjahr 1924 den Blick auf die Liebhartstaler Straße nach Norden über das Tal hinweg zum Gallitzinberg. Über dem Weinberg ist gerade noch das Dach des 1903 bis 1908 neu erbauten Schlosses Wilhelminenberg zu erkennen. Dieses, seit 1922 im Besitz der Stadt Wien, die es ab 1927 als Kinderherberge nutzte, gab Kokoschka 1931 als Vordergrundmotiv der im Auftrag der Stadt entstandenen Wien-Ansicht wieder (WVZ unter www.oskar-kokoschka.ch [12.2.2021], 1931/13). Im vorliegenden Gemälde blitzen die kahlen Äste der Bäume wirr, wie Teile eines zerrissenen Netzes, aus dem frischen, noch schütteren Grün hervor, und grell leuchtet die weiße Wand des gegenüberliegenden Hauses im Sonnenlicht. Auf der Straße hinter der niedrigen Vorgartenmauer mit zwei herrschaftlichen Pfosten am Eingang gehen zwei Frauen mit einem Kinderwagen. Nach den desaströsen Jahren tiefster Armut, zweifacher Kriegsverwundung, Liebesverzweiflung und zweifachem Schwangerschaftsabbruch seiner Geliebten (vgl. „Mann mit Puppe“, B 1058) wirkt die äußerlich wenig spektakuläre Vedute von der Höhe des eigenen Hauses herab auf den fremden Kinderwagen als Ausdruck neu gefassten Lebensmutes. | Oliver Seifert