Stillleben mit Flaschen
Objektbeschreibung
Morandi hat Bologna nie verlassen. Nach einem Studium an der Accademia di Belle Arti nahm er Anfang der 1910er-Jahre lose Verbindungen zu den Futuristen auf und wandte sich gegen Ende des Jahrzehnts der Pittura metafisica zu. 1922 wurde er Mitglied der Gruppe Valori Plastici. Das Zentrum seines Lebens und Wirkens blieb jedoch stets seine Heimatstadt. Hier lebte der unverheiratete Künstler zusammen mit seinen Schwestern und unterrichtete schließlich selbst an der Akademie. Seit Anfang der 1920er-Jahre schuf Morandi neben einigen Landschaften fast nur noch Stillleben. Das Arsenal der Bildgegenstände, denen man in seinen Werken begegnet, besteht immer wieder aus denselben Krügen, Töpfen und Flaschen. Doch es ist Morandi gelungen, der vermeintlichen Monotonie seiner Motive eine schier unendliche Vielfalt und geistige Lebendigkeit zu verleihen. Mit dem feinsten Gespür für farbliche Valeurs, für Hell-Dunkel-Kontraste und kompositorisches Gleichgewicht entwickelte er ein Netz von Bezügen. Alles steht hier mit allem in Verbindung: die beiden sichtbaren Tischbeine mit dem schlanken Flaschenpaar ebenso wie mit den leicht schräg in den Raum ragenden Griffen von Kasserolle und kleiner Kanne oder die hellen Formen mit den dunklen. Dass es sich bei den Bildgegenständen allesamt um Gefäße handelt, von denen niemals klar wird, ob oder womit sie gefüllt sind, mag als eine weitere, rein materiell verkörperte Anspielung auf eine metaphysische Ebene gelten. | Kyllikki Zacharias