Liebespaar auf weißem Grund
Objektbeschreibung
Vor allem ab Mitte der 1960er-Jahre schuf Sitte eine ganze Reihe von expliziten Akt- und Paarbildern, in denen die Frau eine eher passive Rolle gegenüber dem fordernden Mann einnimmt. Sittes sexualisierte Paarkonstellationen dieser Zeit wurden schon immer biografisch interpretiert. So hatte der Maler die 1960er-Jahre als eine Zeit großer emotionaler Höhen und Tiefen erlebt, angefangen mit seiner Affäre mit der Kostümbildnerin Jutta Harnisch, die endete, nachdem sich Sitte nicht von seiner Frau Irmgard trennte, woraufhin er 1961 zwei Selbstmordversuche unternahm. Auch die Ehe zerbrach. Nach der Begegnung mit Ingrid Dreßler, die Sitte 1965 heiratete, wurden seine Akte und Darstellung von Liebenden noch dynamischer und entwickelten ein markantes Kolorit. Es ging dem Künstler darum, wie Wolfgang Hütt schreibt, „so viel geballte Kraft wie möglich in die Ausführung zu bringen, ein Kolorismus, der zugleich aus den vielen Zufälligkeiten entstand, die sich beim Malen, Verwerfen, Übermalen und im freien Spiel mit Pinsel und Farbe ergeben.“ (Wolfgang Hütt, Privates in Sittes Werk?, in: Das Sitte-Verbot. Katalog [k]einer Ausstellung; zum 80. Geburtstag Willi Sittes: Texte, Bilder, Dokumente, hrsg. v. Horst Kolodziej, Schkeuditz 2001, S. 42) Die „Liebesbilder“ wurden in der DDR-Kunstöffentlichkeit breit rezipiert und trugen dazu bei, die Vorgaben der „sozialistischen Moral“ zu liberalisieren (Paul Kaiser, in: Sittes Welt, Halle/Saale 2022, S. 438). | Maike Steinkamp