Max Schmeling
Objektbeschreibung
Belling übte zahlreiche Sportarten aus: Turniertanz, Tennis, Skifahren und Ringen. Ebenso wie sein Galerist, Alfred Flechtheim, schwärmte er für das Boxen, unter anderem für Max Schmeling (1905–2005), Europameister im Halbschwergewicht und Deutscher Meister im Schwergewicht. Dieser saß Belling 1929 Modell, und der Künstler formte eine Skizze des Kopfes. Aufgrund anderweitiger Verpflichtungen des Boxers musste er sich jedoch für die Ausführung des Körpers mit einem Aktmodell begnügen. Das Gesicht blieb daher skizzenhaft, auch andere Partien erscheinen nicht voll ausgearbeitet, denn der Unterkörper wirkt von hinten unbekleidet. Schmeling wird als Dreiviertelfigur in dynamischer Kampfpose gezeigt, leicht geduckt und den Oberkörper nach vorn geneigt, das linke Bein und den rechten Arm vorgestreckt. Im Gegensatz zu dem 1927 gemalten Schmeling-Porträt von George Grosz (Axel Springer Verlag AG, Berlin) und Ernesto de Fioris Schmeling-Statuette von 1928 (B I 655) gibt Belling keine gespannt-lauernde Haltung wieder, sondern den aus der Grundstellung heraus erfolgenden Schlag. 1937 wurde die von der Nationalgalerie erworbene Figur in der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ im Münchner Haus der Deutschen Kunst gezeigt, während zeitgleich ebenfalls in München Bellings „Dreiklang“ (B I 449) und „Kopf in Messing“ (B I 480) als „entartet“ angeprangert wurden. Um diesen Widerspruch aufzulösen, entfernten die Nationalsozialisten Bellings Werke aus der Ausstellung „Entartete Kunst“. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Bildhauer Deutschland bereits verlassen und lehrte an der Akademie der schönen Künste in Istanbul. | Dieter Scholz