Dunstlöcher in Weiß
Objektbeschreibung
Der Österreicher Herbert Bayer übernahm 1925 in Dessau als jüngster Bauhausmeister die Leitung der Abteilung „Druck und Reklame“. 1928 machte er sich in Berlin als Grafikdesigner selbstständig. Er gehörte zu den Branchenstars seiner Zeit; auch nach der Emigration in die USA 1938 konnte er seine Karriere erfolgreich fortsetzen. Bayer schuf grafische Arbeiten, Gemälde und fotografische Werke, wirkte als Ausstellungsdesigner, Architekt und Landschaftsgestalter. 1936 entstand „Dunstlöcher in Weiß“. Da das NS-Regime Bayers innovatives, modernes Design schätzte, stand er trotz Bauhaus-Vergangenheit und jüdischer Frau noch bis 1937 gut im Geschäft. Zeitgleich tauchten in seinen freien Arbeiten Elemente wie Knochen, Scheunenleitern oder Wagenräder auf, die utopisch in Wolken hängen. Seit Mitte der 1920er-Jahre hatte Bayer Werke mit frei auf dem Bildgrund schwebenden Elementen geschaffen, surrealistisch anmutende Spiele mit Dimensionen und Ebenen, Imaginiertem und Konstruiertem. In den „Dunstlöcher“-Gemälden der 1930er-Jahre, von denen dies das letzte aus einer Serie von 21 ist, verteilen sich amorphe Gebilde in Haken-, Kringel- und Knochenformen mit Fragmenten alter landwirtschaftlicher Werkzeuge auf einfarbigem Grund. Bayer war fasziniert von der archaisch-plastischen Qualität der Objekte. Die Bildidee der Serie „Dunstlöcher“ beruht auf den derart bezeichneten Fenstern österreichischer Scheunen. Als kompositorisches Versuchsfeld für die Folge dienten Bayer seine „Fotoplastiken“ aus der gleichen Zeit, für die er geometrische Elemente und realistische Objekte skulptural arrangierte, ablichtete und teils in Fotomontagen bearbeitete. | Christina Thomson