Legende (I)
Objektbeschreibung
Wie auf einer Bühne arrangiert wirkt die Szenerie in Kitzels Gemälde „Legende I“. In der Mitte reitet eine Figur mit gelber Oberbekleidung einen Esel, flankiert von weiteren Figuren. Geführt wird das Tier von einer zwischen Bildraum und Betrachtenden vermittelnden Rückenfigur, die vom unteren Bildrand beschnitten ist: Einem unbekleideten Kind, das mit seiner Körperhaltung im Kontrapost und seinem linken Bein die Richtung der Bewegung anzeigt. Rechts vom Esel befindet sich eine ebenfalls angeschnittene Mittlerfigur mit Handtrommel, die in frontaler Ansicht dargestellt ist und das gesamte Geschehen im Rücken hat. Während der Junge von einem großgewachsenen Harlekin begleitet wird, der abwesend nach links aus dem Bild hinausschaut, steht der Trommler in einer Achse mit einer Figur mit weißem Spitzhut. Auf einem Karren liegt ein Toter aufgebahrt. Offenbar handelt es sich bei der Gruppe um Artisten, die von einer Stadt zur nächsten ziehen. Doch die bunten Kostüme und lustigen Attribute können über die ernsten Mienen und die beklommene Stimmung der Szene kaum hinwegtäuschen. Ausgehend von Picassos Bildern der Rosa Periode (um 1905) beschäftigte sich Kitzel in den 1950er-Jahren im Hallenser Malerkreis um Hermann Bachmann und Willi Sitte intensiv mit unterschiedlichen Bühnenfiguren und Artisten. Bis zu seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik 1958 kehrte Kitzel wiederholt zu dem Bildthema der Legende zurück (WVZ Franzke 141, 187). | Laura Rosengarten