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Objektbeschreibung

Dubuffet, in Le Havre geboren und tätig in Paris, gilt als Begründer der Art Brut, einer Kunstform, die rohe, emotionale Ausdrucksweisen außerhalb sozialer Normen und akademischer Traditionen wertschätzt. „L’Oursonne“ (Die Bärin) markiert den Beginn seiner provokativen Serie „Corps de dame“ (Damenkörper). Die rund 35 zwischen April 1950 und Februar 1951 entstandene Werke erachten viele als Höhepunkt von Dubuffets Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur. Charakteristisch für diese Serie ist die Verschmelzung von animalischen, menschlichen und landschaftlichen Formen sowie das Ineinandergreifen von Zeichnung und Malerei. Die Köpfe der Figuren sind oft unproportional klein und an den Rand der Komposition gedrängt. Sie signalisieren eine bewusste Entpersonalisierung des Motivs und betonen Dubuffets Fokus auf Materialität statt Abbildung. Hier balanciert der geschrumpfte, clownesk zur Seite gedrehte Kopf der weiblichen Figur prekär auf einem Leib, der gleichermaßen plattgedrückt wie aufgequollen wirkt. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich der Körper als Tiergesicht. Der Titel deutet auf eine Bärin hin, doch die Formen könnten ebenso gut einen Hasen darstellen, dessen Maul den Intimbereich der Figur einnimmt. Mit verstörenden Darstellungen wie dieser wandte sich Dubuffet bewusst gegen die traditionelle Ästhetisierung weiblicher Formen in der Kunst. Er ersetzte sie durch chaotische Gegenüberstellungen des Metaphysischen und des grotesk Trivialen, des scheinbar Subjektiven und des Objektiven. Ihm war es ein Anliegen, gegen die tradierte „Ästhetik zu protestieren, die ich für erbärmlich und äußerst deprimierend halte. Gewiss strebe ich nach einer Schönheit, aber nicht nach dieser.“ (Dubuffet in Peter Selz, The Work of Jean Dubuffet, Ausst.-Kat. New York, Museum of Modern Art, 1962, S. 64). | Catherine Nichols