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Objektbeschreibung

Nach zehn Jahren Ausbildung und Studium wechselte Scharff 1912/1913 von der Malerei zur Bildhauerei. Vor dem Ersten Weltkrieg verbrachte er einige Zeit in Paris, setzte sich mit der Formensprache des Kubismus auseinander und schloss sich der Münchner Neuen Secession an. Dem Motiv des Liebespaares widmete er sich zwischen 1919 und Mitte der 1920er-Jahre mit Reliefs und Skulpturen in Bronze, Terrakotta und Gips sowie in Zeichnungen (vgl. die Datenbank „Entartete Kunst“ sowie WVZ Jörgens-Lendrum 1994, 45, 57, 62–65, 70–79, 83, 98, 100, 102, 122). Die Version der Nationalgalerie in Marmor erinnert stark an Auguste Rodins „Der Kuss“ (1886; Musée Rodin, Paris): Gestaltet in runden Formen sind die unbekleideten Liebenden einander zugewandt; sie liegen auf einem Block, dessen raue Oberfläche im Kontrast zu ihrer glatten Haut steht. Auch die Orientierung des Paares ähnelt jener von Rodins Skulptur, denn der Mann hält die Frau in seinem rechten Arm, diese lagert auf ihrer rechten Seite. Doch während Rodins junge, attraktive Figuren gewissermaßen zur Schau gestellt sind, erscheinen sie bei Scharff viel subtiler ineinander versunken. Sie wirken wie zu einer Person verschmolzen und erstrecken sich in den Block hinein, die Details ihrer Körper sind kaum ausgearbeitet. Die Erotik der Darstellung liegt in diesem intensiven Zugewandtsein, das die restliche Welt ausschließt. Das Werk stand im Jahr 1928 „seit längerer Zeit als Leihgabe in der [National-]Galerie“, bevor es direkt vom Künstler angekauft wurde (SMB-ZA, I/NG 476, Bl. 61). | Emily Joyce Evans