352/61 (Blau auf Rot-Schwarz)
Objektbeschreibung
Nichts in einem Bild sollte von der Farbe ablenken: weder eine Vielfalt abstrakter Formen noch ein gestischer Pinselduktus oder ein suggestiver Titel. Zu dieser Überzeugung gelangte der Architekt und Maler Geiger im Zuge seiner intensiven künstlerischen Orientierungssuche nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei wandte er sich zunehmend von einer gegenständlichen Formgebung ab, um die Farbe neu zu entdecken. Mit seiner konsequenten Hinwendung zur Abstraktion sah er sich in der durch den Nationalsozialismus in Deutschland unterbrochenen Tradition der Moderne. Für die Analyse der Farbe folgte er unterschiedlichen Kompositionsprinzipien, darunter dem Kontrapunkt, der auch dem sachlich betitelten Gemälde „352/61 (Blau auf Rot-Schwarz)“ zugrunde liegt. Hier wie in zahlreichen anderen, nach demselben Prinzip gefertigten Arbeiten stellte er „einer Grundfarbe eine Kontrastfarbe als Exponent zur Seite“ (Geiger. Zeichnung als Licht, hrsg. von Ernst-Gerhard Güse, Ausst.-Kat. Saarbrücken, 1990, S. 157). Auf der Leinwand treffen kühle blaue auf warme rote, in Schwarz übergehende Farbfelder. Die horizontal angelegten Flächen sind so moduliert, dass die Kontraste zwischen Hell und Dunkel gleichermaßen hervortreten. Mit solchen Kompositionen, die sich auf die immanenten Eigenschaften der Farben konzentrieren, erlangte Geiger bereits Ende der 1950er-Jahre internationale Anerkennung. | Catherine Nichols