Raffaelo
Objektbeschreibung
Im Spätherbst des Jahres 1941 reiste Marcks nach Florenz und an die Bibliotheca Hertziana in Rom. Seine im selben Jahr entstandene Bronzestatuette „Raffaelo“, ein in ausponderierter Körperspannung stehender Jüngling mit selbstbewusst in die Hüfte gestütztem linken Arm, lässt diese Italien-Erfahrung aufscheinen. Für die Haltung und die androgyne Zartheit mag Donatellos „David“ (um 1440) im Florentiner Museo Nazionale del Bargello vorbildhaft gewirkt haben. Trotz der Beschlagnahmung von drei Arbeiten und der Androhung eines Arbeitsverbots durch den Präsidenten der Reichskulturkammer, Adolf Ziegler, 1941 gelangen Marcks auch in jener Zeit zahlreiche Verkäufe an private Sammler: „Merkwürdigerweise stürzt sich alles auf meine Bronzen – ich könnte Massenauflagen machen“ (Brief an Erich Consemüller, 9.10.1941, in: Gerhard Marcks, 1889–1981. Briefe und Werke, München 1988, S. 109). 1949 erwarb der Magistrat von Groß-Berlin – vermutlich durch die Vermittlung Paul Ortwin Raves über die Berliner Galerie Schüler – die Plastik „Raffaelo“ von Marcks für die Ost-Berliner „Galerie des 20. Jahrhunderts“. Der Guss der Nationalgalerie ist eines von drei unnummerierten Exemplaren und vor der nummerierten Auflage entstanden, die ab Dezember 1948 die Berliner Gießerei Barth herstellte. Bis 1980 wurden 16 weitere, bezeichnete Exemplare sowie ein unbezeichneter Archivguss für die Gerhard-Marcks-Stiftung in Bremen ausgeführt. | Yvette Deseyve