Selbstbildnis
Objektbeschreibung
Sintenis war Mitte der 1920er-Jahre bestens in der Berliner Gesellschaft etabliert. Sie verkaufte gut, war weithin vernetzt und ein gern gesehener Gast auf den verschiedensten Veranstaltungen und Partys der Stadt. Morgens ritt sie auf ihrem Pferd durch den Berliner Tiergarten, flanierte in Anzug und mit ihrem Terrier über den Kurfürstendamm oder fuhr in ihrem Sportwagen zur Bildgießerei Noack. Ihr Leben wie ihr Schaffen wurden in den verschiedenen Gesellschaftsblättern der Zeit, „Querschnitt“, „Vogue“ oder „Die Dame“, dokumentiert und kommentiert, verkörperte sie mit ihrem modischen kurzen Haar, dem androgynen Aussehen und selbstbewussten Auftreten doch geradezu den Prototyp der modernen Frau der Weimarer Republik. Sie selbst betrachtete sich eher als schüchtern, mehr den Tieren als den Menschen zugewandt (vgl. Ada Schmidt-Beil, Die Kultur der Frau, Berlin 1931, S. 275). Diese Selbstwahrnehmung lässt sich an ihrem 1926 modellierten „Selbstbildnis“ nicht ablesen. Ganz im Gegenteil: Es entspricht mit Kurzhaarschnitt und geradem, ernstem Blick, der keine Gefühlsregung verrät, vollkommen dem durch die Presse vermittelten Bild der modernen selbstbewussten Künstlerin. Neben der Stukkofassung befindet sich eine Bronzeversion des Selbstbildnisses in der Sammlung der Nationalgalerie (NG 57/81). | Maike Steinkamp