Sitzender männlicher Akt
Objektbeschreibung
Die Aktdarstellung eines sitzenden Mannes war das zweite Werk des Bildhauers, das in die Sammlung der Nationalgalerie (Ost) aufgenommen wurde. 1970 wurde die kleinformatige Bronzeskulptur aus dem Spätwerk von Weidanz direkt erworben. Der dargestellte Mensch sitzt auf einer langen, schmalen Plinthe. Er beugt sich mit rundem Rücken über die angestellten Beine und hat seine Arme im rechten Winkel zwischen diesen eingeklemmt. Sein Blick geht zum Boden, sodass der Gesichtsausdruck verborgen bleibt. In der symmetrischen Haltung, die durch die Position der Beine und Arme entsteht, wird eine besondere Körperspannung erkennbar. Der gekrümmte Rücken und die verschränkten Gliedmaßen deuten eine verschlossene Figur an, lediglich über die Zehen, die über die Kante der Plinthe hinausragen, scheint sie Kontakt zu ihrer Umwelt aufzunehmen und aus ihrer Geschlossenheit auszubrechen. Wie in anderen seiner Werke zeigte Weidanz auch in dieser Kleinplastik den Bezug zwischen äußerer Haltung und innerer Verfasstheit auf. In der ebenso spannungsreichen wie in sich gekehrten Körperhaltung scheint sich der emotionale Zustand des Mannes widerzuspiegeln. | Stefanie Meisgeier